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Springerknie (jumpers knee)

Das Springerknie betrifft häufig Sprungathleten, entsteht durch Überlastung der Kniescheibensehne und führt zu Belastungsschmerzen vorne am Knie. Ursachen, Diagnose, Therapie
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 15.09.2014

Das Springerknie ist eines der häufigsten Knieprobleme bei Sprungathleten

F1online/Fotosearch

Was ist ein Springerknie?

Durch Überlastung der Kniescheibensehne kommt es an ihrem Ursprung am Unterrand der Kniescheibe zu kleinsten Verletzungen und Auffaserungen der Sehne. In der Nähe bildet sich neues Bindegewebe, Nerven und Blutgefäße sprießen ein. Ärzte sprechen auch von degenerativen Veränderungen.

Der allgemeine Fachbegriff ist Tendinopathie (= Sehnenleiden). Im Falle des Springerknies kann es dabei zu Belastungsschmerzen vorne am Knie kommen. Sie treten am Unterrand der Kniescheibe auf, manchmal auch hinter der Kniescheibe. Bei fortgesetzter (Über-)Beanspruchung sind Teilrisse oder Risse der Sehne möglich.

Als typische Auslöser gelten sogenannte Schnellkraft-Sportarten mit raschen Richtungswechseln, abruptem Abbremsen (stop and go) und starker Belastung beim Springen und Landen. Daher der Name Springerknie. Besonders bei Leichtathleten oder Hallenballsportlern, aber auch Fußballspielern ist das Problem gefürchtet.

Trainingsfehler, eine geschwächte, verkürzte Oberschenkelmuskulatur, ein erblich bedingter Hochstand der Kniescheibe, Bänderschwäche oder andere Veränderungen am Kniegelenk begünstigen häufig ein Springerknie. Betroffen können ein oder beide Knie sein.

UNSER EXPERTE: Univ.-Prof. Dr. med. Andreas B. Imhoff, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, spezielle orthopädische Chirurgie und Sportmedizin

W&B/Privat

Was der Kniescheibensehne sonst noch zusetzt

Auch Allgemeinerkrankungen, zum Beispiel Diabetes oder Arteriosklerose, bestimmte erbliche Faktoren, Übergewicht  oder Medikamente wie zum Beispiel Statine und Antibiotika vom Typ der Chinolone können Sehnenschäden auslösen, unter anderem an der Kniescheibensehne. Scheidet eine Überlastungsverletzung aus, spricht man jedoch nicht von einem Springerknie, sondern nur von Tendopathie.

Die Kniescheibensehne ist auch ein Band

Die Kniescheibensehne verbindet den Oberschenkelstreckmuskel mit dem Unterschenkel. Die Sehne fungiert aber auch als Band – als Verbindung zweier Knochen –, denn sie ist an der Knieschiebe und am Schienbein befestigt. Daher werdenin diesem Beitrag beide Begriffe, Sehne und Band, gebraucht.

Was sind die Symptome eines Springerknies?

Kleinste degenerative Schäden an der Sehne können zunächst unbemerkt bleiben; erkennbar wären sie nur feingeweblich. Wenn Beschwerden auftreten, also eine Tendinopathie, können sie sich ganz unterschiedlich entwickeln. Ärzte unterscheiden dabei vier Schweregrade (siehe Kapitel "Symptome").

Anfangs macht sich das Springerknie immer erst nach einer sportlichen Aktivität bemerkbar. Es kommt zu einem Steifigkeitsgefühl oder stechenden Schmerzen an der "entzündeten" Sehne. Die Sehne ist auch beim Betasten am Unterrand der Kniescheibe schmerzhaft. Sie kann anschwellen. Unter fortlaufender Belastung und Schädigung werden die Beschwerden hartnäckiger. Sie treten schon während der Belastung auf und bleiben danach längere Zeit bestehen.

Sportliche Aktivitäten können auf Dauer beschwerlich oder sogar unmöglich sein. Häufig machen dann auch Alltagsbewegungen, etwa Treppensteigen, Probleme. Schließlich kann die Kniescheibensehne einreißen.

Diagnose des Springerknies

Die Beschwerden, die Krankengeschichte, Angaben zur individuellen Sportpraxis und eine orthopädische Untersuchung führen in der Regel zur Diagnose. Eine Ultraschalluntersuchung kann sie bestätigen. Weitere bildgebende Verfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) sind nicht routinemäßig notwendig. Sie kommen bei speziellen Fragestellungen zum Einsatz, zum Beispiel um andere Erkrankungen auszuschließen, oder vor einer Knieoperation.

Therapie des Springerknies

Das Springerknie bessert sich meist bei Entlastung. Daher wird eine ausreichend lange Sportpause empfohlen. Physikalische Therapieverfahren, entzündungshemmende Medikamente, Kniebandagen und -tapes sowie eine konsequente, angepasste Übungsbehandlung, etwa ein exzentrisches Krafttraining (siehe Kapitel "Therapie"), unterstützen den Genesungsprozess.

Mitunter können nach einer Besserung unter sportlicher Belastung jedoch wieder Beschwerden auftreten.

Dann oder wenn sich das Knie nach ausreichender konservativer Therapie über etwa drei bis sechs Monate nicht gebessert hat, besteht die Therapieoption in einer minimalinvasiven arthroskopischen Operation (mittels Gelenkspiegelung), für die sich insbesondere Leistungssportler häufig entscheiden. Ziel des Eingriffs ist Schmerzlinderung. Auch lassen sich andere Schäden, etwa am Knorpel, beheben. 

Prognose des Springerknies

Die Prognose eines Springerknies ist günstig, ausreichende Schonung, geeignete Therapien und risikobewusstes Verhalten beim Wiedereinstieg in den Sport vorausgesetzt. Auch nach erfolgreicher Rehabilitation im Anschluss an eine Operation ist die Rückkehr zum vorher ausgeübten Sport häufig möglich.

Vorbeugung

Die Möglichkeiten reichen vom Wechsel zu einer das Knie weniger belastenden Sportart über den gezielten Muskelaufbau, Propriozeptionstraining (trainiert die Nervenrezeptoren in Muskeln und Gelenken), Konditionstraining, Verbesserung der Sprungtechnik beim Sport und Aufwärmübungen vor sportlichen Aktivitäten bis zur Optimierung der Sportschuhe.

Diese Maßnahmen können das Verletzungsrisiko allgemein und die Gefahr senken, dass sich ein Springerknie entwickelt oder verschlechtert.


Fachliteratur zu diesem Ratgeber:

Grifka J, Kuster M (Hrsg): Orthopädie und Unfallchirurgie, Berlin-Heidelberg, 1. Aufl., Springer-Verlag GmbH, 2011

Ackermann PW, Renström P: Tendinopathy in Sport. Sports Health. Sports Physical Therapy. Vol. 4 No.3, may-june 2012. DOI: 10.1177/1941738112440957. Online: http://www.sagepub.com/journalsPermissions.nav. (Abgerufen: 5.2.2014)


Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/Privat, F1online/Fotosearch
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